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 Wie Efeu an der Mauer II

Kölner Stadtanzeiger vom 22. November 2000

Alte Feuerwache

Efeu an der Mauer
 

EFEU5

FRAUEN IM GEFÄNGNIS Szene aus dem Tanzstück “Wie Efeu an der Mauer” von Catharina Gadelha in der Alten Feuerwache                                                      Bild: Weimer

Von Basil Nikitakis

Das “Vorher” ist Gesang, das entspannte Anziehen von Kleidern. Danach dann das Gefängnis: Paletten stehen auf der Bühne der Alten Feuerwache, sie lassen sich zu Käfigen gruppieren, sie sind Isolationshaft und Mauern, sie rahmen den kreisgang auf dem imaginären Gefängnishof. 2Wie Efeu an der Mauer” heißt das Stück von Catharina Gadelha, nach einer Metapher aus einem Buch, das die Gefängniserfahren von Frauen während der Zeit der Diktatur in Uruguay beschreibt. Ein  harter Stoff, den die Choreographin ausschließlich mit tänzerischen Mitteln zu bewältigen sucht. Und so gibt es neben einigen Passagen, die mit ihrer harmonischen Synchronität die Solidarität der weiblichen Gefangenen beschwören, vor allem Soli zu sehen.

In ihnen wird am ehesten die zermürbende Spannung spürbar, die der Gewalt vorausgeht. Xiemna Romero tanzt als Erste von ihnen, dann folgt Kim Goldblatt-Morales mit dem Schwung ihres Arms, den vertrackten Sprüngen und weicher Landung auf der Fußspitze. Und immer wieder ihrem herausforderndem Blick ins Publikum. Beide scheinen in der runden Schönheit der Bewegeung auch das “Vorher” zu beschwören: was einmal war und im Gefängnis nicht mehr ist. Catharina Gadelha selbst hat das beeindruckendste Solo, zum Klang eine spanischen Gitarre hat ihr Körper sofort den Raum im Griff.

Ihre wie im Zeitraffer schnellen Sprünge scheinen verkantete und so gespannt, als risse jemand an ihr wie an einer Saite. Es ist ein Solo, in dem sich zögerndes Tasten und unbedingte Stärke wie organisch vereinen. Trotz dieser starken Momente geht das Stück als Ganzes nicht auf, auch wegen der entspannten Musik von Pablo Peredes, die keine Akzente zu setzten vermag. Wen die drei Frauen in ihren aus Paletten selbst geschaffenen Käfigen sitzen, wenn die Enge des Raums ihnen minimale Bewegungsm,öglichkeiten diktiert, schaut man bloß zu und verliert den Rest. Die Langeweile, die Isolation, die Qualen der Einsamkeit - sie bleiben außen vor, quasi objektiv. Man bleibt vor dem Käfig und geht nicht in die Seelen hinein. Was das Stück in den tänzerischen Momenten gewinnt, verspielt es in der harmlosen Mimesis.

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