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 Wie Efeu an der Mauer I

Kölnische Rundschau vom 16. November 2000

Catharina Gadelha zeigt den zweiten Teil ihrer Trilogie “Körperwidmung”

Aus der Gefangenschaft
 

EFEU4

Holzkisten symbolisieren die Gefängniszellen      Foto: Weimer

Von Nicole Strecker

Drei Frauen singen kleine Melodien vor sich hin, ziehen sich langsam ihre farbenprächtigen Kostüme an, dann beginnt eine von ihnen zu tanzen, die anderen folgen nach. Es ist ein friedliches Idyll, mit dem die Choreographin und Tänzerin Catharina Gadelha in der Alten feuerwache ihr Stück “Wie Efeu an der Mauer” einleitet. Jede von den drei Frauen zeigt ein eigenes Solo.
 

Die Tänzerin Ximena Romero verführt ihr Publikum, wirft ihm kokette Blicke zu und hält ihre Bewegungen mit erotischer Spannung reduziert. Kim Goldblatt-Morales dagegen ist energischer, auch eckiger in ihrer Choreographie. Und bei Catharina Gadelgha schließlich sind Temperament und Willenskraft ins Zwanghafte gesteigert. Ihr Körper zuckt rastlos, die Bewegungen brechen aus ihr hervor. Geschickt steigert Gadelha mit diesen Soli das Geschehen um Selbstbestimmung, Aufbegehren, Widerstand - der im Gefängnis endet.

Das Stück ist der zweite Teil von Gadelhas Trologie “Körperwidmung”. Im ersten teil “Steinbruch” erzählte sie vom Wahnsinn und von der künstlerischen Radikalität der Bildhauerin Camille Caludel. Ausgangspunkt ihres neuen, zweiten Stücks waren authetische Berichte von zwölf Frauen, die als politische Gefangene in den Jahren 1973 bis 1985 im Gefängnis Libertad in Uruguay verhaftet und gefoltert wurden. Der Komponist Pablo Paredes hat für ihre Choreographien kongeniale Melodien und Klangwelten geschaffen, die mit lateinamerikanischen Rhythmen, Marschgetrommele oder schwebenden Tönen die jeweiligen Szenen stützen.

Es ist eine schwierige Herausforderung, Enge, Angst und Qualen im Gefängnis choreographisch auszugestalten. Catharian Gadelha sperrt ihre Frauen in Käfige aus Holzpaletten. Sie zeigt mit immer wiederkehrenden Bewegungsfolgen die Beschränkung auf engsten Raum. Doch vermittelt sich - schon durch das Fehlen einer sichtbaren Bedrohung - wenig von der Verzweiflung der Frauen.

In ihren Schlussbildern findet sie zur Ausdruckskraft des Anfangs zurück: Die in Resignation erstarrten, von allen vergessenen Gefangenen und schließlich die verlassenen Holzpaletten sind ein ergreifendes Mahnmal für das Leiden der Frauen.

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