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 Olga I

Kölnische Rundschau vom 16. Oktober 2001

Mit “Olga stellte Choreographin Catharina Gadelha den letzten Teil ihrer Trilogie “Körperwidmung” vor

Aufrecht bis zum letzten Augenblick
 

OLGA1

Von Nicole Strecker

“Bis zum letzten Augenblick werde ich mich aufrecht halten und Lust am Leben haben” - immer wieder klingen diese Worte in den düsteren Raum der Alten Feuerwache, und die beiden leuchtend rot gekleideten Tänzerinnen strecken sehnsuchtsvoll die Arme in die Leere, als wollten sie nncoh einmal die Welt umarmen. Es ist ein Zitat aus dem ergreifendem Abschiedsbrief von Olga Benario Prestes (1908 - 1942) an Tochter und Mann, geschrieben aus dem Konzentrationslager in Bernburg. Die Kommunistin und Ehefrau des brasilianischen Oppositionsführers Luis Carlos Prestes weiß, dass sie am nächsten Tag sterben wird.

Ihre letzten Worte sind Ausgangspunkt für die Uraufführung von Catharina Gadelhas Tanzstück “Olga”, mit der die Choreographin und Tänzerin ihre Trilogie “Körperwidmung” beendet. Nach ihrem Solo “Steinbruch” über die Bildhauerin Camille Claudel uind ihrem beeidnruckenden Stück “Wie Efeu an der Mauer” über Widerstand, Tod und Folter von politischen Häftlingen im Frauengefängnis Libertad in Uruguay widmet sich Gadelha erneut einem Frauenschicksal. Doch zu der berührenden Dicht und Kraft ihrer beiden anderen Stücke findet sie in “Olga” nicht. Blass bleibt die Darstellung der Protagonistin, die 1937 nach dem missglückten Aufstand der Kommunisten als unerwünschte Ausländerin nach Deutschland abgeschoben und hier ins KZ gebracht wurde. Von dieser Biografie erfährt man nichts in Gadelha Stück.

Die Choreographin vermittelt die Geschichte der Olga Benario nur über allgemeine Gesten des Aufbegehrens, des Schmerzes, der lichten Erinnerung - wenngleich ihre Duos mit Ximena Romero wunderbar harmonisch und so dicht beieinander getanzt sind, daß die beiden Tänzerinnen in Momenten wie Mensch und Spiegelbild eins zu werden scheinen. Mal zeitgleich, mal versetzt führen Gadelha und Romero die Bewegungen zu den lateinamerikanisch geprägten Musikeinspielungen aus - wie ein Selbstgespräch Olga Benarios in der Einsamkeit der Haft.

So erzählt dieser Blick zurück auf ihr Leben auch immer von der Suche nach dem eigenen Selbst, vom Ich abgespalten durch Erinnerung und Reflexion. Das eigene Leben steht fremd vor Olga Benario da, ein Wunder - und ein Verlust, dem sie sich bis zuletzt widersetzt: “Mich auf den Tod vorzubereiten bedeutet nicht, dass ich mich unterwerfe.”

 

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